Den Wandel gestalten

Der Transformationsprozess

Um dieses Versprechen einer zeitgemäßen Pädagogik einzulösen ist es nötig, mit der Zeit zu gehen, die Gegenwart zu verstehen und unsere pädagogischen und anthropologischen Grundlagen, Leitsätze und Visionen, unsere Strukturen der Selbstverantwortung und nicht zuletzt unsere Verfasstheit auf den Prüfstand zu stellen. Kurz: Einen Transformationsprozess anzustoßen und umzusetzen.

 

Prozess und Projektteam

Der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen hat im Frühjahr 2025 eine Gruppe Menschen benannt, die den Transformationsprozess aufsetzen und steuern, s. Meilensteine. Sie besteht aus vier Vorstandsmitgliedern und einem Geschäftsführer. Nach der Wahl des neuen Vorstands (Mitgliederversammlung Ende März 2026) wird sich die Zusammensetzung bis zum Sommer vermutlich ändern. Das Team wird extern begleitet und trifft sich in der Regel ein bis zwei Mal monatlich zu zweitägigen Sitzungen sowie online. 

Sechs Themenfelder der Transformation

Nach einer Diagose des Ist-Zustands mit Zusammenstellung von Bedingungen, Herausforderungen und Problemen wurden diese verdichtet zu sechs Themenfeldern. Innerhalb dieser Themenfelder werden in den kommenden Jahren Projekte identifiziert und aufgesetzt, die von Gruppen, jeweils besetzt mit Fachmenschen auf dem Gebiet, bearbeitet werden sollen. Tiefgreifende Veränderungen müssen von der Mitgliederversammlung beschlossen werden, weshalb eine breite Basis geschaffen werden soll.

Die Themenfelder wurden mit den Delegierten der Schulen diskutiert. Das Prozessdesign sieht vor, dass jederzeit neue Herausforderungen/Probleme benannt und integriert werden können. Auch können sich neue Themenfelder formieren. 

Das Projektteam hat zu jedem der sechs Themenfelder eine Vision formuliert. Zurzeit stellen sich die Themenfelder wie folgt dar. In Kürze werden die jeweiligen Arbeitsgruppen, die in den Themenfeldern Ziele entwickeln und Lösungen erarbeiten, hier ebenfalls vorgestellt. 

Unsere Vision
Waldorfschulen sind offen für alle und spiegeln in ihrer Schüler- und Lehrerschaft die Vielfalt der Gesellschaft wider. Sie erkennen die aktuellen Megatrends an und integrieren sie in ihre pädagogische Haltung. Darauf aufbauend entwickeln sie passende Schulstrukturen, zeitgemäße Lernziele, lebensnahe Arbeitsformen und vielfältige Unterrichtsformate.

Hintergrund
Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, auf die wir keinen Einfluss haben, die wir aber akzeptieren und einen Umgang damit finden können. Beispielhaft seien genannt:

  • Veränderte Familiensysteme

  • Kindheit mit Einwanderungsgeschichte

  • Rückzug von Religion

  • Digitalisierung der Lebenswelten

  • Erschöpfung bei vielen Menschen

  • Wandel zur inklusiven Gesellschaft

Strukturen-Prozesse-Rechtsformen

Unsere Vision
Der Verband ist so gestaltet, dass Aufgaben und Zuständigkeiten klar, praxisnah und zeitgemäß geregelt sind. Dafür entwickeln wir dementsprechend angepasste handlungsfähige Strukturen auf Bundes- und Landesebene, die Orientierung geben und zur Mitarbeit einladen. So fühlen sich alle Mitglieder an Waldorfschulen eingeladen und ermutigt, sich aktiv gestaltend einzubringen.

Hintergrund
Die Verfasstheit des Bundes entspricht nicht mehr der Größe der Schulbewegung. Was kann und muss der BdFWS (Bund der Freien Waldorfschulen e.V.) leisten, was müssen wir neu greifen?

  • Es gibt vielfältige Sichtweisen auf die Aufgaben von BdFWS und Bundesvorstand.

  • Die Entscheidungsstrukturen auf Bundes- und Landesebene sind unklar und unverbindlich.

  • Sind die Satzungsorgane noch zeitgemäß und den Aufgaben entsprechend aufgestellt?

Selbstverständnis und Identität der Waldorfschulen. Umgang mit/Verhältnis zur Anthroposophie

Unsere Vision 
Wir haben ein Leitbild, an dem sich alle Beteiligten orientieren können. Es entspricht den gesellschaftlichen Realitäten, beruht auf einer zeitgemäß interpretierten Menschenkunde, drückt die Werte und Haltungen, die die Grundlage unserer Pädagogik und unseres Miteinanders bilden, aus und bildet das Potenzial der Waldorfschulen ab.

Hintergrund

  • Das Leitbild trägt noch, ist aber veraltet. Schaffen wir uns wieder eine verbindende gemeinsame Vision?

  • An vielen Waldorfschulen unterrichten Kolleg:innen, die kaum Zugang zur Anthroposophie haben oder finden. Jüngere Kolleg:innen erfahren dafür oft unterschwellig einen Vorwurf.

  • Wie kann eine moderne Steinerrezeption, die das Anliegen und die Herangehensweise der neuen Generation aufgreift, aussehen?

Qualitätsstandards sorgen für Verlässlichkeit auf Seiten der Schüler:innen, Eltern, Lehrkräfte und Mitgliedsschulen

Unsere Vision
Wir schaffen verbindliche Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass Unterrichte sowie die Zusammenarbeit von Kollegium, Verwaltung, Eltern und Schüler:innen regelmäßig evaluiert und durch Qualitätsarbeit an die ermittelten Bedarfe der Schulgemeinschaft angepasst werden. Neue Kolleg:innen werden strukturiert eingearbeitet. Verbindliche Fort- und Weiterbildung hält alle Lehrkräfte fachlich und waldorfpädagogisch auf dem aktuellen Stand. In der Folge erleben Schüler:innen und Eltern ihre Schulen als wandlungsfähige Lernorte, die Wissens- und Kompetenzerwerb fördern, Raum für individuelle Entfaltung bieten und die Zusammenarbeit von Kollegium, Verwaltung, Eltern und Schüler:innen professionell und wertschätzend gestalten.

Was braucht es dafür? 
Zum Beispiel:

  • Verpflichtende Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften

  • Qualitätssicherungs- und Qualitätsentwicklungsverfahren für Unterricht, Verwaltung, Personalführung und Miteinander

  • Schüler:innenbeteiligung

Unsere Vision
Mit entschlackten Lehrplänen, die die Anforderungen der Zeit integrieren (IT, KI, BNE, Demokratiekultur, Selbstfürsorge,…), und Unterrichtsformaten, die Wahlmöglichkeiten, demokratische Mitwirkung und Projektverantwortung beinhalten, fördern Waldorfschulen die individuellen Talente, die sozialen Kompetenzen, die Resilienz und die Ambiguitätstoleranz ihrer Schüler:innen. Sie steuern gezielt die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme und entsprechende Selbstwirksamkeitserfahrungen bei ihren Schüler:innen an. Dabei bewahren sie sich den vertieften Blick auf die Entwicklung ihrer Schüler:innen, der durch die Menschenkunde Rudolf Steiners ermöglicht wird, und halten an zentralen Anforderungen des Waldorflehrplanes und der Unterrichtsgestaltung fest. 

Hintergrund
Ausschließlich tradierte, nicht stets neu durchgearbeitete Ansichten zur Menschenkunde und überlieferte Unterrichtsformate erschweren die Weiterentwicklung von Waldorfpädagogik. Dies hat u.a. zur Folge und muss sich ändern:

  • Formate wie Schüler:innenbeteiligung, Wahlmöglichkeiten oder Neigungsunterrichte sowie Talentförderung werden erschwert.​

  • Der Lehrplan enthält zu viele Themen. Neues kommt dazu, Altes bleibt jedoch. Das ist eine Überforderung für die Schüler:innen.​

  • Dass der Lehrplan kontinuierlich weiterentwickelt wird, muss in den Kollegien einen festen Platz erhalten. 

Unsere Vision
Die Lehrer:innenbildung ist handlungsfähig, qualitätsgesichert, bedarfsorientiert und finanzierbar.  Sie stellt sicher, dass an Waldorfschulen qualifizierte Lehrkräfte arbeiten, die dank unserer wissenschaftlichen Forschung waldorfpädagogisch auf dem aktuellen Stand sind. Damit wird sie auch ihrer weltweiten Vorbildfunktion gerecht.

Hintergrund
Der Bund der Freien Waldorfschulen finanziert unterschiedliche Wege der Lehrer:innenbildung. Von Hochschulausbildung über portgraduierte Studiengänge (Voll-/Teilzeit) bis berufsbegleitende Seminare. Manche der Herausforderungen bestehen seit Jahren und verlangen nach einer gründlichen Bearbeitung:

  • Nicht alle Lehrkräfte an Waldorfschulen sind in Waldorfpädagogik ausgebildet.​

  • Der Bedarf an ausgebildetenen / weitergebildeten Lehrkräften übersteigt die Absolvent:innen.

  • Die Aus- und Wieterbildungsstätten sind nicht ausgelastet.

  • Es gibt keine Mindest-Qualitätsanforderungen an die Nicht-akademische Ausbildungen.

  • Fortbildungsangebote werden bislang nur auf freiwilliger Basis besucht.

  • Neue Ausbildungsformate für Quereinsteiger und die zunehmende Rolle der Berufsbegleitenden Seminare erfordern ein Überdenken der Finanzierung.​

Meilensteine

Unser Weg in die Zukunft

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7.-9. November 2024

Vorstandsklausur zur Diagnose: Wie ergreifen wir Veränderungsimpulse so, dass wir mit allen Schulen daran arbeiten können? Welche Impulse sehen wir? Welche Zukunft wünschen wir uns?

22./23. November 2024

Delegiertentagung und Mitgliederversammlung in Pforzheim. Tagungsthema: “Sind die Visionen und das Leitbild der Waldorfschulbewegung noch aktuell?”

20. Februar 2025

Vorstandsmitglieder beauftragen eine Gruppe aus ihrer Mitte, bis zum Sommer die Rahmenbedingungen für ein Transformationsprojekt zu definieren.

20.-23. März 2025

Bekanntgabe des Transformationsvorhabens in einem Gremientreffen von Vorstand/Bundeskonferenz/Seminarkonferenz/Rat Lehrer:innenbildung sowie in der Bundeskonferenz und der Mitgliederversammlung. Es kommen sehr viele positiv unterstützende Rückmeldungen, die potenzielle Schwierigkeiten im Prozess benennen und um transparente Prozessführung bitten.

11. April 2025

Die Projektgruppe startet die Projektplanung: Arbeitsauftrag, Projekttitel, Kommunikationsmaßnahmen und Tools werden erarbeitet.

1./2. Mai 2025

Die Projektgruppe clustert und formuliert Entwicklungsaufgaben für die Schulbewegung als Organisation und für die Zukunftsfähigkeit der Waldorfpädagogik. Auseinandersetzung mit möglichen Widerständen und Benennen heimlicher Direktoren.

2. Juni 2025

Das Projekt wird bekannt gemacht: Via Rundmail wird „Offen für Heute. Mutig für Morgen.“ in die Schulen gebracht und um Feedback gebeten (es kommt viel!).

11./12. Juli 2025

Die Projektgruppe verdichtet die Entwicklungsaufgaben (s. 1. Mai 2025) zu sechs Themenfeldern.

28./29. August 2025

Die Projektgruppe erarbeitet das Prozessdesign.

1. September 2025

Mit einer zweiten Rundmail werden die Schulen über den Projektfortschritt informiert. Erneut gibt es viele unterstüzzende und konstruktiv-kritische Rückmeldungen.

11.-13. September 2025

Die Projektgruppe nutzt die Jahresanfangsklausur des Bundesvorstands mit Gremienvertretern zur Bekanntmachung des sog. Projekt 0: Ein Papier zur Kommunikationskultur als Verbindliche Vereinbarung für eine gute Zusammenarbeit im Bund der Freien Waldorfschulen. 

23./24. Oktober 2025

In einer Klausur der Bundeskonferenz stellt die Projektgruppe das Prozessdesign, das Papier Kommunikationskultur und die verdichteten Themenfelder als die Sechs Felder der Transformation vor, berät sich und holt Feedback ein.

14./15. November 2025

Delegiertentagung/Mitgliederversammlung (MV). Vorstellung von Prozessdesign, Papier Kommunikationskultur und die Sechs Felder der Transformation. Zwei Beschlüsse der MV werden im Rahmen des Transformationsprozesses aufgegriffen: 1. Verpflichtende waldorfspezifischen Aus-, Weiter- und Fortbildung, 2. Externe Evaluation der Lehrer:innenbildung.

4. Dezember 2025

Die aktuellen Entwicklungen werden in einer dritten Rundmail an die Mitglieder geschildert.

21.-24. Januar 2026

Die Projektgruppe formuliert tragfähige Visionen, erstellt die Roadmap für 2026. Es gibt erste Überlegungen zu den Projekten Arbeitsweisen/Strukturen im BdFWS und Überlegungen zu neuen Beteiligungsformaten der Schulgemeinschaft nach dem Modell eines Bürger:innenrates.

30./31. Januar 2026

Delegiertentagung zum Thema Kindheit im Wandel (Themenfeld Kontext). Die Projektgruppe berichtet zum Stand des Transformationsprozess und arbeitet in einem Workshop am Projekt Verpflichtende waldorfspezifischen Aus- Weiter- und Fortbildung von Lehrkräften und Pädagog:innen an Waldorfschulen.

Februar/März 2026

Vorstellen des Transformationsvorhabens bei verschiedenen Stiftungen.

Mitmachen

An dieser Stelle werden wir in Kürze weitere Informationen bereithalten. Bis dahin schreiben Sie uns gerne direkt! Sie erreichen uns unter transformation[at]waldorfschule.de.